Warum wird die Winkelschleifer 'Bulgarisch' genannt und nicht 'Vietnamesisch'?

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, der sich die berechtigte Frage gestellt hat: Warum wird dieses handgeführte Elektrowerkzeug, der Winkelschleifer, im Alltag ausgerechnet als „bulgarische“ bezeichnet und nicht als „vietnamesische“ oder „ungarische“? In der Tat, wenn man einem Laien die eigentliche Bezeichnung des Geräts nennt – UWM, Winkelschleifmaschine – versteht nicht jeder sofort, wovon die Rede ist… Sagt man hingegen: bulgarische – warum hast du mir dann den Kopf verdreht, das hättest du gleich sagen können!

Flex

Um herauszufinden, woher dieses Gerät seinen, gelinde gesagt, seltsamen Spitznamen hat, wenden wir uns der Geschichte zu.

Wie, wer und wo die bulgarische erfunden wurde

Die Schleifmaschine zum Schneiden, Schleifen und Reinigen von Stein-, Metall- und Betonprodukten wurde im fernen Jahr 1954 von den deutschen Handwerkern Ackermann und Schmitt erfunden. Zu diesem Zweck gründeten die beiden ein Unternehmen, das sie ohne viel Aufhebens Ackermann + Schmitt nannten. Ihrem Kind gaben sie den Namen FLEX – vom englischen Wort für „beweglich“. In vielen westlichen Ländern wird das Gerät daher „Flex“ oder „Flexi“ genannt.

Flex Winkelschleifer

Zu den einheimischen Handwerkern gelangte diese Neuheit in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Form einer bulgarischen Modifikation unter der Marke „Eltos“. Sofort und sozusagen für immer gaben die Sowjetmenschen dem Elektrowerkzeug den Namen „bulgarische“ und nennen es bis heute im gesamten postsowjetischen Raum so. Einmal ging ich in einen der vielen Elektrowerkzeugläden in unserer Stadt und sah auf dem Preisschild das berüchtigte: „Bulgarische“, und dann folgte der Modellname und der Preis. Und alle Kunden reagieren gelassen auf diese Information, manche lächeln…

UWM

Dazu gibt es einen nicht sehr lustigen Witz:

Zwei Freundinnen treffen sich, und die eine klagt der anderen:

— Stell dir vor, mein Mann schenkt mir gar nichts, aber für so eine bulgarische hat er zwei Diamantscheiben gekauft!

Ob jetzt genau diese „bulgarischen“ noch hergestellt werden oder nicht

Laut Wikipedia wurde das bulgarische Werk zur Herstellung von Elektrowerkzeugen in der Stadt Lowetsch im Jahr 1961 eröffnet. 1996 wurde das Unternehmen vom deutschen Konzern Sparky übernommen. Der Hersteller blieb auch im dritten Jahrtausend über Wasser; wenn man wollte, konnte man noch vor Kurzem die Produkte der Firma in unseren Regalen finden oder sie im Internet bestellen. Die Pandemie rafft jedoch selbst die Stärksten dahin. Im Jahr 2020 meldete das bulgarische Unternehmen Insolvenz an.

Schleifmaschine

Und zum Schluss…

Mein Vater hatte vor etwa vierzig Jahren, soweit ich mich erinnere, eine dieser berühmten bulgarischen ‚Flex‘-Schleifmaschinen. Er konnte sich daran gar nicht sattsehen. Und tatsächlich: Sie arbeitete viel, unermüdlich und ziemlich lange. Ob sie heute noch lebt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht liegt sie irgendwo auf dem Dachboden unseres Landhauses herum. Anfang der 2000er Jahre haben mein Vater und ich uns gleichzeitig neue Winkelschleifer aus chinesischer Produktion zugelegt.

Winkelschleifer

Ob sie besser sind als die früheren bulgarischen, ist schwer zu sagen. Frühere Dinge wurden halt zuverlässig gemacht, nicht wie heute… Interessant: Wenn die ersten Modelle dieses Elektrowerkzeugs aus China importiert worden wären, wie würde man sie dann im Volksmund nennen? – ‚Chinesinnen‘, ‚Chinesen‘ oder ‚Chinese‘? Was denken Sie?

Kommentar hinterlassen

Reinigung

Flecken

Aufbewahrung