Geschirr mit abgeschlagenen Kanten – warum hat es zu Hause keinen Platz?

Die Menschen glauben, dass man zu Hause kein Geschirr mit abgestoßenen Kanten aufbewahren sollte – sonst könnte man Unglück anziehen. Doch eine zerbrochene Tasse verheißt einer unverheirateten Frau ein Date und einem jungen Mann einen Karriereaufstieg. Woher kommt dieses Paradoxon?

Altes Tongeschirr

Ein Blick in die Geschichte

Das Omen über zerbrochenes Geschirr wurde uns von unseren Vorfahren überliefert: Für die Slawen war der Tontopf ein Symbol des Wohlstands, da er Nahrung enthielt. Er wurde mit dem heidnischen Gott Jarilo assoziiert, der die Sonne verkörperte, und wer den Topf zerbrach, zog dessen Zorn auf sich.

Interessanterweise war mit derselben Handlung ein in seiner Energie entgegengesetzter Ritus verbunden: Die alten Slawen zerbrachen bei Hochzeiten einen Topf in dem Glauben, dass dies den Frischvermählten ein Leben in Eintracht und Liebe bescheren würde. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten – nur dass an die Stelle des Topfes ein Teller getreten ist. Es bleibt nicht beim Hochzeitstisch – eine Glasvase, die zerspringt, bringt ihrem Besitzer dem Volksglauben nach sieben Jahre Glück.

Alte Porzellantasse

Geschirr mit abgestoßenen Kanten zu Hause aufzubewahren, ist dagegen ein sehr schlechtes Omen. Man glaubte, dass sich in den Rissen böse Geister niederlassen, die die Nahrung vergiften und mit der Zeit auch das Leben aller Hausbewohner. In der Familie kommt es zu Streitigkeiten, die Gesundheit der Haushaltsmitglieder wird schwächer, und ständig passieren kleine Missgeschicke.

Die Alten glaubten, dass Risse nicht von selbst entstehen. Das bedeutet, dass der Gegenstand bereits so viel Schlechtes in sich angesammelt hat, dass er es nicht mehr aushält und bricht, und in den entstandenen Absplitterungen siedelt sich gerne das Böse an, das scharfe Kanten mag. Den Göttern Speise in zerbrochenem Geschirr als Opfer darzubringen, galt als schwere Sünde.

Vase mit abgestoßenem Rand

Vielfalt des Aberglaubens

Es gibt viele Omen, nach denen man abgesplittertes Geschirr nicht aufbewahren sollte, um kein Unglück heraufzubeschwören. Die Überlieferungen beschreiben die unterschiedlichsten Situationen und können erzählen, was einen Menschen erwartet, der unversehens damit in Berührung kommt:

  • Wenn ein Teller ohne Grund zerspringt – erwarten Sie schlechte Nachrichten, Geldanleihen, Niederlagen;
  • Wenn ein Teller viele kleine Risse hat – erwarten Sie kleine, nutzlose Ausgaben;
  • Wenn ein Teller einen Absplitterung hat – werden Sie eine große Summe oder etwas Wertvolles verlieren;
  • Wenn in einer Tasse ein Riss entstanden ist – wird Ihr Partner Ihnen untreu oder Ihr Arbeitskollege wird Sie verraten;
  • Wenn in einer Tasse ein Rissnetz entstanden ist – finanzielle Probleme;
  • Wenn von einer Tasse ein Stück abgebrochen ist – kommt es zu einem Streit zwischen den Ehepartnern;
  • Wenn das Besteck verbogen ist (z.B. die Zinken einer Gabel enger geworden sind) — wird es in der Familie Zwietracht geben;
  • Wenn eine Pfanne oder ein Topf eingedellt ist – stehen Schwierigkeiten mit dem Vertrauen und Probleme im gegenseitigen Verständnis bevor;
  • Wenn ein Absplitterung oder Riss das Glas getroffen hat – erwartet Sie ein Kräfteverfall, ein Verlust der Inspiration.

Teller mit Pasteten
Im Alltag interagiert der Mensch oft mit Geschirr, daher sind damit viele Aberglauben verbunden.

  • Ein Teller als Geschenk droht sowohl dem Empfänger als auch dem Schenkenden Unglück. Damit das Vorzeichen nicht eintrifft, sollte der Becher nicht leer verschenkt werden, sondern mit Obst oder Süßigkeiten gefüllt sein.
  • Ähnlich verhält es sich mit fremdem Geschirr in Ihrem Zuhause – dem Aberglauben nach zieht es finanzielle Schwierigkeiten an. Ein ausgeliehener oder vergessener Teller sollte so schnell wie möglich zurückgegeben werden, jedoch auf keinen Fall schmutzig oder leer.
  • Neues Geschirr sollte mit Salz bestreut werden, um Glück anzuziehen, und mit Zucker, um Überfluss zu locken. Es darf nicht sofort auf den Tisch gestellt werden, da dies angeblich das Wohlstand der Familie beeinträchtigt.

Aufsammeln von Scherben eines zerbrochenen Tellers

Wie lässt sich Unheil vermeiden?

Wenn das Geschirr im Haus allzu häufig zerbricht, sollte man vorsichtig sein: Möglicherweise hat jemand einen bösen Blick auf Sie geworfen. Dies können nicht nur Übelwollende verursachen – der böse Blick kann auch zufällig entstehen, etwa wenn Sie übermäßig gelobt werden.

Sobald Sie einen Verdacht auf Unheil haben, müssen Sie sofort alles zerbrochene und angeschlagene Geschirr loswerden. Auf keinen Fall darf es in den Müll geworfen werden! Alle Scherben und Bestecke mit abgesplitterten Kanten und Rissen sollten Sie in ein Tuch wickeln und an einen Ort ohne Menschen bringen. Führen Sie dieses Ritual durch und denken Sie dabei an Gutes, indem Sie innerlich sprechen, dass mit dem Bündel alles Böse aus Ihrem Leben weicht.

So mystisch die Warnungen und Vorzeichen auch erscheinen mögen, für Skeptiker gibt es nicht minder gewichtige Argumente – Sicherheit und Hygiene. Abgesehen davon, dass man sich an Splittern verletzen kann, sammeln sich in den Rissen Bakterien, die auch nach gründlichem Waschen dort verbleiben. Was Sie auch mehr ängstigt – himmlische Strafe oder Mikroben – zerbrochenes Geschirr sollte man besser gleich in den Müll werfen.

Kommentar hinterlassen
  1. Ljubow

    Meine Großmutter machte sich immer große Sorgen, wenn an unserem Geschirr Absplitterungen auftauchten, und trug es sofort aus dem Haus. Ich konnte nicht verstehen, warum sie sich so sehr aufregte. Doch jetzt verwende auch ich kein Geschirr mit Absplitterungen mehr; ich weiß nicht, wie genau die Vorzeichen sind. Aber Bakterien sammeln sich dort mit Sicherheit an.

Reinigung

Flecken

Aufbewahrung