Einfrieren von Wollartikeln: Wie und warum ist das nötig, warum funktioniert dieser Lifehack nicht?
Das Einfrieren von Wollkleidung ist keine neue Modeerscheinung. Schon unsere Mütter und Großmütter versuchten auf diese Weise, Kleidung weniger kratzig zu machen. Im 21. Jahrhundert gibt es jedoch keinen Grund mehr, diese Methode für wirksam zu halten und Pullover in den Gefrierschrank zu legen.

Einfluss von Frost auf Wolle
Zunächst muss betont werden, dass es aus physikalischer Sicht durchaus realistisch und machbar ist, die Kratzigkeit von Wollfäden mit Hilfe von Frost zu beeinflussen. Allerdings wird der Effekt dieses Vorgangs nicht wie erwartet ausfallen. Um zu verstehen, warum das so ist, sollte man wissen, was Wolle eigentlich ist.
Also, Wolle ist fast dasselbe wie menschliches Haar. Der Aufbau der Haare von Mensch und Tier unterscheidet sich kaum:
- Mark (also innere Schicht) – das sind Zellen, die mit Luft gefüllt sind.
- Kortex (Rindenschicht) – bildet den Haarkörper. Vom Kortex hängt ab, wie das Haar wird – porös oder dicht, fein oder grob, hell oder dunkel.
- Schuppenschicht (äußere Schicht) – wie der Name schon sagt, besteht sie aus vielen winzigen Schuppen. Je enger sie aneinander anliegen, desto glatter und glänzender ist das Haar. Wenn die Schuppen abstehen, werden die Haare steif, fühlen sich unangenehm an und verfilzen.
Allerdings sehen nicht alle Haare (Wollfasern) gleich aus. Je nachdem, in welchem Verhältnis die oben genannten Bestandteile vorkommen, gibt es vier Typen von Haaren:
- Daune. Sie ist sehr weich und kratzt überhaupt nicht. Sie hat keine Markschicht.
- Übergangshaar. Es fühlt sich härter an als Daune und wirkt dicker. Es hat eine Markschicht, aber nicht durchgehend, sondern nur stellenweise. Es kratzt praktisch nie.
- Grannenhaar. Ein grobes und hartes Haar mit dicker Markschicht. Fäden daraus kratzen merklich.
- Tothaar. Sehr dick, brüchig, mit grober Struktur. Die Markschicht nimmt mehr als die Hälfte des Durchmessers ein. Wenn solche Wolle zum Spinnen von Fäden verwendet wurde, wird das Kleidungsstück sehr unangenehm zu tragen sein.
Und nun kommen wir zur Hauptfrage – wie wirkt sich Frost auf Wolle aus? Die Antwort ist einfach: Solange sie trocken ist – gar nicht. Das können zum Beispiel die Eisbären bestätigen – ihre Felle halten problemlos Temperaturen von -50°C und darunter aus.
Ganz anders verhält es sich mit nasser Wolle. Wenn Feuchtigkeit in das Haar eindringt, füllt sie den Raum zwischen der Schuppenschicht und der Kortikalis und wird teilweise auch in die Kortikalis aufgenommen. Bei Kälte dehnt sich das Wasser dann aus (diese Eigenschaft ist jedem bekannt, der in der Schule in Physik aufgepasst hat oder schon einmal Wasser bis zum Rand in Flaschen eingefroren hat). Bei der Ausdehnung des Wassers wird die Haarstruktur geschädigt – vereinfacht gesagt, das Haar „bricht aus allen Nähten“. Beim ersten Mal reißt es natürlich nicht gleich, aber wenn das Nasswerden und anschließende Einfrieren mehrmals wiederholt wird, sind Schäden unvermeidlich.
Wie wir bereits herausgefunden haben, sind harte und grobe Wollarten am kratzigsten. Einfach aus dem Grund, dass ihre aus dem Faden herausragenden Enden nicht genügend Plastizität besitzen, um bei Berührung mit der menschlichen Haut ihre Bewegungsrichtung zu ändern. Sie bohren sich in die Haut und verursachen unangenehme Empfindungen. Was passiert mit solchen Wollfasern nach dem Einfrieren im nassen Zustand, noch dazu mehrfach? Richtig, sie brechen, und damit werden die scharfen Enden noch zahlreicher. Folglich wird das Kleidungsstück noch stärker kratzen.
Wie und wo friert man Wollkleidung ein?
Sollte der Leser nach den oben dargelegten Fakten immer noch beabsichtigen, seinen Pullover oder Schal der Kälte auszusetzen, hat er nur drei Möglichkeiten:
- Das Kleidungsstück in flüssigen Stickstoff legen. In einer gewöhnlichen Wohnung oder einem Haus ist das kaum möglich, aber Mitarbeiter von Laboren können diese Methode durchaus anwenden.
- Das Kleidungsstück auf den Balkon bringen. Dafür muss man auf einen Winter mit klirrendem Frost warten.
- Das Kleidungsstück in das Gefrierfach legen. Ein normaler Haushaltskühlschrank kann zu jeder Jahreszeit und in jedem Klima -18 bis -25 °C garantieren.
Die Erfinder des Lifehacks mit dem Einfrieren behaupten beharrlich, dass man Wollstoff oder Wollfäden vor der Reise ins Reich der Minusgrade mit Wasser tränken muss. Daher besteht die Gefahr, dass das nasse Kleidungsstück an den Wänden des Gefrierfachs, an Tüten mit Pelmeni oder an einem Behälter mit vorgekochtem Borschtsch festfriert. Um dies zu verhindern, muss man es in einen Plastikbeutel legen.
Nachdem das Kleidungsstück zu einem Eisblock geworden ist, nimmt man es heraus, taut es in einer Schüssel auf und wäscht es wie gewohnt.
Welche Kleidungsstücke kann man einfrieren?
Man kann alle Kleidungsstücke einfrieren, die Wasser aufnehmen und deren Abmessungen es erlauben, sie an einen Ort mit Minustemperaturen zu bringen. Aber eingedenk der Tatsache, dass das Einfrieren von Wollkleidung sie nicht von ihrer Kratzigkeit befreit, versuchen wir, zumindest einen praktischen Sinn dieser Prozedur zu finden.
Und dieser Sinn ergibt sich. Er tritt dann ein, wenn an einem Wollprodukt versehentlich oder absichtlich ein Kaugummi klebte. Bislang konnte niemand ihn so entfernen, dass keine Spuren auf dem Stoff oder den Fäden zurückbleiben. Unter Kälteeinwirkung jedoch wird er, der nichts anderes als ein Stück Gummi ist, hart und zerspringt dann. Daher ist das Einfrieren eine hervorragende Methode, um Kaugummi von Pullovern, Mützen, Schals, Kleidern und sogar Mänteln zu entfernen. Der einzige Punkt: Vor dem Einlegen in das Gefrierfach sollte die Kleidung nicht nass gemacht werden.
Vor- und Nachteile des Verfahrens
Weder ausgeprägte Vorteile noch ebensolche Nachteile hat das Einfrieren von Wollkleidung. Nach dem Aufenthalt in der Kälte wird die Kleidung weder gedehnt noch verkleinert, reißt nicht und wird auch nicht kugelsicher. Und schon gar nicht verschwindet ihre Eigenschaft, kratzig zu sein.
Einige Leute behaupten, dass das Einfrieren ihnen dennoch geholfen habe, das Kleidungsstück weniger kratzig zu machen. Ob man solchen Bewertungen vertraut oder nicht, entscheidet jeder selbst, jedoch gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege, abgesehen vielleicht von der Neigung der menschlichen Psyche zur Selbstsuggestion.
Da das Einfrieren das Problem der Kratzigkeit nicht löst, sprechen wir abschließend darüber, wie man die Kleidung dennoch angenehmer zu tragen machen kann. Um die Wollfasern weicher und geschmeidiger zu machen, eignen sich dieselben Mittel, die auch für menschliches Haar verwendet werden – zum Beispiel kann man den Pullover oder Schal mit Shampoo für trockenes Haar waschen oder nach dem Waschen mit normalem Waschpulver das Kleidungsstück in Wasser mit einem Zusatz von Haarspülung für lockiges Haar spülen. Wenn Sie viele Wollkleidungsstücke besitzen, lohnt es sich, spezielles Gel und einen Weichspüler für die Wäsche solcher Artikel zu kaufen – sie sind für die Verwendung in der Waschmaschine geeignet.




Einfrieren von Wollkleidung gegen Motten – Garantie 100%.
Gegen Motten, Milben und Bettwanzen muss das Kleidungsstück mindestens 4 Tage im Gefrierfach bleiben.
Bakterien und Pilze sterben unter Einwirkung von sehr hohen oder extrem niedrigen Temperaturen. In der warmen Umgebung, die während des Waschens in der Waschmaschine entsteht, vermehren sie sich dagegen.
Um unangenehme Gerüche alter Kleidung und krankheitserregende Mikroorganismen zu beseitigen, sollte man gewaschene und trockene Kleidung einige Stunden im Gefrierfach aufbewahren. Das Kleidungsstück wird vorsichtig zusammengefaltet, in einen sauberen Beutel gelegt und in den Gefrierschrank gegeben.
Ich habe noch nie gehört, dass man Wollkleidung einfriert. Das werde ich mal ausprobieren.