Wie bewahrt man Stecklinge von Weinreben den ganzen Winter über auf?

Weinreben werden durch Stecklinge vermehrt, die im Frühjahr ins Freiland gepflanzt oder veredelt werden. Da stellt sich die Frage, wie man die Stecklinge im Winter lagert. Die Setzlinge, auch Tschubuks genannt, sind ein Stück Rebe von der Dicke eines Bleistifts oder Kugelschreibers und mindestens einem halben Meter Länge. Wichtig ist, dass der Setzling mindestens 3-4 Knospen hat, damit er später gut wächst. Warum erfolgt die Vermehrung gerade durch Stecklinge? Weil bei der Verwendung von Samen viele Sorteneigenschaften nicht erhalten bleiben, also muss man auf die vegetative Methode zurückgreifen.

Weinrebstecklinge in Paraffin

Vorbereitung der Stecklinge

Die Stecklinge werden im Herbst geschnitten, um die im Frühjahr erwachende und zu wachsen beginnende Mutterrebe nicht zu verletzen. Diese würde ihre Kraft auf die Heilung der Wunden verwenden, und die Ernte wäre geringer. Im September-Oktober, wenn alle Prozesse in der Pflanze bereits etwas verlangsamt sind, ist der Schnitt weniger verletzend. Da die Pflanze dabei viel Feuchtigkeit verliert, muss in den Stecklingen die Wassermenge etwas ausgeglichen werden – indem man an einem Ende einen frischen Schnitt macht und es in sauberes Wasser taucht. Anschließend werden oft beide Enden in geschmolzenes Paraffin getaucht, um Flüssigkeitsverlust während der Lagerung zu verhindern. Die optimale Zeit für solche Gartenarbeiten ist nach den ersten leichten Frösten, aber bevor die Temperatur unter -10° fällt.

Damit ein Tschubuk gut gelagert wird und im Frühjahr erfolgreich anwächst, muss er richtig geschnitten werden. Man wählt den unteren oder mittleren Teil einer jungen fruchttragenden Rebe. Weder zu dünne noch zu dicke Triebe sind geeignet. Beim Versuch, den Trieb zu biegen oder zu brechen, sollte er leicht knistern. Das Kernholz sollte eine feste Konsistenz haben und die Rinde eine gleichmäßige braune Farbe ohne zu helle oder dunkle Flecken. Die Rebe wird einige Zentimeter vom Internodium entfernt geschnitten. Selbstverständlich müssen die Schneidwerkzeuge sauber und scharf sein.

Blätter und Ranken, die nicht von selbst abgefallen sind, müssen unbedingt entfernt werden. Die Rebe darf keine mechanischen Beschädigungen oder Verletzungen aufweisen; idealerweise ist sie gerade, da viele Gärtner behaupten, dass krumme Stecklinge im Freiland viel schlechter wurzeln und anwachsen.

Lagerung von Tschubuks - Weinrebstecklingen

Lagerbedingungen

Was die eigentliche Lagerung der Weinrebstecklinge betrifft, ist die Schaffung des richtigen Temperatur- und Feuchtigkeitsregimes wichtig. Angenehme Bedingungen für die Tschubuks sind 0-4°C. Bei Minustemperaturen würden sie erfrieren, bei zu viel Wärme könnten sie Wurzeln und Knospen treiben oder schimmeln und verfaulen. Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 60%. Übermäßige Nässe ist ein günstiges Umfeld für Pilze, bei Trockenheit würden die Tschubuks zu viel Wasser verlieren.

Zum Schutz vor möglichen Schädlingen und Krankheiten werden die Stecklinge mit einer schwachen Lösung von Kupfer- oder Eisensulfat besprüht oder darin getaucht. Damit können auch leicht von Schimmel befallene Stecklinge während der Lagerung abgerieben werden. Ebenso wichtig ist es, die Reben vor dem Verzehr durch Nagetiere zu schützen – häufige Gäste in jedem Keller oder Schuppen.

Rebstecklinge in Sand

Wo sollten die Stecklinge im Winter gelagert werden?

Stecklinge können überall gelagert werden, wo alle Bedingungen für die Lagerung erfüllt sind. Wenn es nur wenige sind, können sie auf ein Kühlschrankregal gelegt werden, wobei der Wurzelbereich mit einem feuchten Tuch umwickelt wird, und bis zum Frühjahr fast vergessen werden, wobei nur gelegentlich ihr Zustand überprüft und das Tuch befeuchtet wird. Sie stören nicht besonders und nehmen wenig Platz ein. Manche stellen einen einfachen und praktischen Behälter aus zwei ineinander gesteckten Plastikflaschen mit abgeschnittenen Böden und Lüftungslöchern in den Deckeln her.

Und wie lassen sich Rebenstecklinge im Winter lagern, wenn es viele sind und der Kühlschrank nicht mehr ausreicht? Dafür wird ein ganzer Raum benötigt. Ein Keller, ein Gewölbekeller, eine große Speisekammer – all das ist geeignet.

Dort können die Reben wie folgt gelagert werden.

  1. Ein passend großer Behälter (Eimer, Kiste, Schüssel, sogar eine alte Badewanne) wird mit sauberem, leicht feuchtem Sand in einer Schicht von 10–15 cm gefüllt. Dann werden die Stecklinge so in den Sand gesteckt, dass sie sich nicht berühren. Da der obere Teil des Stecklings sichtbar bleibt, kann während der gesamten Lagerungsdauer sein Zustand und seine Gesundheit beurteilt werden. Die Feuchtigkeit des Sandes muss ständig aufrechterhalten werden. Dies ist einfacher, wenn der Behälter mit Plastikfolie abgedeckt ist.
  2. Statt Sand werden Sägespäne, meist von Nadelbäumen, verwendet, da sie Substanzen enthalten, die die Schimmelbildung hemmen, oder Moos. Auch dieses Substrat muss feucht gehalten werden.
  3. Wenn kein Kellerraum vorhanden ist, aber viele Reben auf einmal gelagert werden müssen, wird ein Graben von einem Meter Tiefe und 60–70 cm Breite ausgehoben. Seine Wände werden zur Desinfektion mit Kalk getränkt, dann wird eine dünne Sandschicht eingefüllt, auf die die Setzlinge einzeln oder in kleinen Bündeln waagerecht oder senkrecht gelegt werden. Die Zwischenräume werden ebenfalls mit Sand aufgefüllt. Darüber muss eine kleine Menge Erde geschüttet werden, so dass ein Hügel entsteht, der die eingegrabenen Reben vor übermäßiger Feuchtigkeit, besonders im Frühjahr, schützt. Aus demselben Grund kann die Erde zusätzlich mit Plastikfolie abgedeckt werden. Allerdings ist der Graben dennoch nicht vor Überflutung gefeit, und das Auftreten von Nagetieren lässt sich kaum kontrollieren oder verhindern. Zudem liegen die Stecklinge vollständig in der Erde, und ihre Unversehrtheit kann nicht überprüft werden.

Tipp

Wenn mehrere Rebsorten gleichzeitig gelagert werden, müssen sie getrennt voneinander angeordnet sein.

Bewurzelte Rebsetzlinge

Frühlingspflege der Setzlinge

Wie erkennt man, dass die Reben erfolgreich überwintert haben und bereit sind, auszutreiben? In den Augen sollten sich kleine Blattembryonen gebildet haben, und unter der Rinde sollte eine grüne Schicht sichtbar sein. Und bei einem für einige Tage ins Wasser gestellten Steckling schwellen die Knospen deutlich an.

Die Stecklinge sollten bereits Ende Winter bis Anfang Frühling für das Einpflanzen vorbereitet werden. Dazu müssen sie zunächst bewurzelt werden. Am einfachsten gelingt dies, indem man den Wurzelansatz in feuchten Schaumstoff steckt und die Setzlinge für 1-2 Wochen an einen dunklen Ort legt. In dieser Zeit bilden sich in der Regel zumindest kleine Wurzeln. Anschließend pflanzt man sie meist in den abgeschnittenen unteren Teil von Plastikflaschen in humusreiche Erde, deckt sie mit dem oberen Teil der Flasche (jedoch ohne Deckel) ab und stellt sie an einen hellen Ort. Sobald viele Wurzeln und 4-5 Blätter vorhanden sind, kann der obere Teil entfernt werden.

Die herangewachsenen Weinreben werden im Früh- bis Hochsommer ins Freiland gepflanzt. Selbstverständlich muss der Rebe die für ihre Sorte erforderlichen Bedingungen geboten werden, und der Boden muss regelmäßig gelockert werden, um den Luftzugang zum Wurzelsystem zu gewährleisten, sowie mit Mineraldünger versorgt und bewässert werden. Es ist wichtig, die Wurzeln beim Pflanzen nicht zu beschädigen, da der Steckling sonst nur geringe Chancen hat, erfolgreich anzuwachsen und eine gute Ernte zu liefern. Bei günstigen Umständen und Einhaltung aller Anforderungen wird die Pflanze jedoch bereits im Herbst mit kräftigen Wurzeln und gesunden, starken Trieben erfreuen.

Kommentar hinterlassen
  1. Marina

    Der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Einfach und verständlich, auch für Anfänger in der Landwirtschaft. Dreimal die Bestnote.

Reinigung

Flecken

Aufbewahrung